Privatschulen in Deutschland

Privatschule – ja oder nein?

Privatschulen sind in Deutschland bereits seit Jahren bekannt. In letzter Zeit erlebten sie allerdings einen großen Aufschwung – in manchen Regionen besuchen bereits 10 Prozent der schulpflichtigen Kinder eine Schule in privater Trägerschaft.
Bedeutet das die Einführung einer Zweiklassengesellschaft bei der Bildung, oder vielmehr eine Chance auf mehr Vielfalt?
Viele Eltern sind sich in ihrer Meinung sicher: Die Privatschule ist die bessere Wahl für ihr Kind. Dieses Gefühl fängt schon bei der Planung an. Schulen in freier Trägerschaft bieten eine Vielzahl an verschiedenen Modelltypen. Ob naturnah, praxisorientiert, wissenschaftlich, neusprachlich, musisch-künstlerisch, oder auch kirchennah – der Auswahl sind praktisch keine Grenzen gesetzt.
Schon bei den ersten Gesprächen werden die Eltern mit in das Konzept einbezogen, sie wissen genau über Abläufe und Lehrpläne Bescheid, da der Unterricht oftmals von den Schulen individuell geplant und aufgebaut wird, sodass keine Fragen offen bleiben.

Privatschule1An staatlichen Schulen sieht das oft anders aus. Viele Lehrer haben dort selbst nur eine ungefähre Vorstellung davon, was sie laut Landesbeschluss ihren Schülern in einem Halbjahr beibringen sollen und nicht wenige davon schaffen den geplanten Stoff nicht in der dafür vorgesehenen Zeit. Dieses Phänomen rührt auch daher, dass es an Privatschulen  durchschnittlich deutlich mehr Unterrichtszeit gibt. Der Nachmittagsunterricht wurde vielerorts früh zum gängigen Modell, wodurch sich mehr Platz für zusätzliche Stunden bot. Auch, dass es an freien Schulen durchschnittlich mehr Lehrer gibt, kommt einem geregelten Unterricht sehr zugute.
Allerdings gibt es auch Schattenseiten am Konzept der Privatschule. Bildungsexperten kritisieren beispielsweise die mangelnde Diversität auf freien Trägerschulen. Kinder, die aus eher bildungsfernen Schichten stammen, sind dort nahezu überhaupt nicht vertreten. Ebenso findet man unterdurchschnittlich wenige Schüler ausländischer Abstammung auf freien Trägerschulen.
Eltern der Ober- und der gehobenen Mittelklasse würden sich heutzutage auf Eliteschulen von den anderen abgrenzen wollen, formuliert es der Bildungsforscher Manfred Weiß sogar noch deutlicher. Die soziale Schere würde sich mithilfe einer Beschränkung der Aufnahmemöglichkeit durch die übliche Bezahlung eines Schulgeldes nicht nur im gesellschaftlichen, sondern jetzt auch schon im Bildungssektor bemerkbar machen, was eine unzumutbare Situation darstelle, so Weiß. Kinder sollten seiner Meinung nach Diversität und Vielfalt früh kennen lernen, egal aus welchen Gesellschaftsschichten sie stammen.
Weiterhin ist zu bemerken, dass Privatschulen in allgemeinen Statistiken nicht besser abschneiden als staatliche. Beispielsweise bestehen bei der Schulklassengröße keine wirklichen Unterschiede, ebenso wenig bei den regelmäßig durchgeführten Pisa-Studien.

Sind Privatschulen also so gut wie ihr Ruf, oder nur eine praktische Möglichkeit, Kinder in einem „besseren“ Umfeld lernen zu lassen? Trotz gleicher Ergebnisse in Studien und gleicher Klassengröße bieten die meisten freie Schulen oftmals eine bessere, da g

ezieltere Betreuung der einzelnen Bedürfnisse, sowie individuelle Fördermöglichkeiten der Talente der Kinder. Dies gewährleistet, dass Potenzial und Neigungen besser erkannt werden, was den Schülern auch in puncto Berufswahl sehr weiterhelfen kann.
Doch es ist klar zu diskutieren, ob den anderen Kindern aus finanziell schwächeren Familien diese Möglichkeiten verwehrt bleiben sollten
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