Leistungsdruck bereits in der Grundschule

Noch nie war der Druck, der heutzutage auf den Schulkindern lastet, so enorm wie in den letzten Jahren. Während sich der Arbeitsmarkt stetig verjüngt, immer mehr Studenten ihren Abschluss machen und gut bezahlte Stellen hart umkämpft sind, verschiebt sich der Fokus auf Benotung und Leistung immer weiter nach vorne – jetzt sogar bis in die Grundschule.

Viertklässler bekommen mit den Halbjahreszeugnissen gleichzeitig die Empfehlung ihrer Lehrer, welche weiterführende Schule sie, basierend auf ihren Leistungen, nach der Grundschule besuchen sollten.
Mädchen FingerDies gibt manchen Eltern großen Grund zur Aufregung. Für viele ist eine Alternative zum Gymnasium gar nicht erst denkbar, weshalb die vierte Klasse für ihre Kinder beinahe nur noch aus Lernen und gegebenenfalls auch aus Nachhilfe besteht, sollte der bisherige Notendurchschnitt nicht ausreichen.
Zumeist gilt nämlich: Wer in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Heimat und Sachkunde unter dem von Bundesland zu Bundesland variierenden Schnitt von 2,2 bis 2,5 landet, bekommt eine Realschulempfehlung. Liegen die Leistungen des Kindes unter dem Durchschnitt 2,6 bis 3,0, erhalten sie eine Empfehlung für die Hauptschule. In Sachsen-Anhalt entscheidet sogar eine spezielle Eignungsprüfung über den möglichen Besuch eines Gymnasiums. Teilweise gibt es aber auch noch Bundesländer, die keine genauen Zahlen festlegen, sondern für jeden Schüler individuell entscheiden.
Eltern, die befürchten, dass ihr Kind ohne die Aussicht auf das Abitur im heutigen Arbeitsmarkt schlechte Chancen haben könnte, versuchen also mit allen Mitteln, den erforderlichen Notenschnitt für das Gymnasium zu erreichen.

Doch häufig leiden die Kinder so sehr unter diesem enormen Druck, dass gegenteiliges Verhalten oder sogar eine Verschlechterung ihrer Noten die Konsequenz sind. Da in vielen Bundesländern die Empfehlung der Grundschule allerdings nur eine Richtlinie darstellt, über die sich Eltern hinwegsetzen können, werden viele Viertklässler trotz anderer Empfehlung auf einem Gymnasium angemeldet. Die Folgen bei den Kindern sind noch stärker ansteigender Leist

ungsdruck, Verlust von Selbstvertrauen und das Gefühl, ständig hinterherzuhinken.
Seit einigen Jahren stehen das Phänomen der Grundschulempfehlung und der Fakt, dass diese in den meisten Bundesländern rein auf Noten und weniger auf individuellen Faktoren basiert, stark in der Diskussion. Kritiker bezeichnen jüngst eingeführ

te, vierwöchige „probefreie Lernphasen“ und Informationsveranstaltungen für Eltern von Drittklässlern als Farce und bemängeln, dass mithilfe solcher Maßnahmen nur verschleiert wird, wie wenig eigentlich ernsthaft an den Missständen gearbeitet wird.
Für Eltern gilt vordergründig der goldene Tipp, das Kind während seines gesamten schulischen Werdegangs zu fördern, jedoch dabei nicht zu überfordern. Das Abitur als Maß aller Dinge zu setzen, schadet oftmals mehr als es nützt und setzt das Kind zu stark unter Druck. So sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, was dem Kind gut tut und wie es glücklich bleibt – auch wenn seine Eltern vielleicht anfangs einen anderen Weg geplant hatten.
So ist es ein durchaus möglicher und mittlerweile immer beliebterer Weg, das Kind bis zur zehnten Klasse eine Realschule besuchen zu lassen und dann gemeinsam zu entscheiden, ob es lieber ins Berufsleben starten, oder eventuell nun, im Anschluss an die mittlere Reife, die gymnasiale Oberstufe absolvieren möchte. Es führen viele Wege zum Ziel und sicher ist es oftmals die bessere Entscheidung, dem Schüler mit weniger Leistungsdruck eine kindgerechte Schulzeit zu ermöglichen.

 

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